Wappenschwindel

Wappenfälschungen sind keine Erscheinungen der Neuzeit, es gibt sie vielmehr schon seit dem Aufkommen der Wappenbriefe im 13. Jahrhundert. Zu einem lukrativen Gewerbe wurden Sie aber erst mit dem Ende des alten Kaiserreichs 1806.

Wenn man Historikern Glauben schenken darf, dann sind bis etwa 1500 einige Prozent der Urkunden Totalfälschungen. Allerdings ging es in diesen Urkunden erst in zweiter Linie um Wappen, meist drehte es sich um die Verbriefung bestimmter feudaler Rechte, bzw. bestimmter Eigentumsverhältnisse.

Nach dem Ende des alten Reiches 1806, traten bald die ersten Wappenfälscher auf den Plan. Diese suchten aus alten Wappenbüchern, z.B. dem alten Siebmacher, Familienwappen namensgleicher Familien heraus, um diese dann, manchmal leicht umfrisiert, an den Mann zu bringen. Es wurde natürlich gleich eine passende Familiengenealogie miterfunden, die eine adelige oder zumindest ritterschaftliche Anstammung der Familie vorgaukelte.
Diese Wappenfälscher waren mitunter sehr produktiv und einfallsreich um ihre Produkte in Deutschland und den Nachbarländern abzusetzen. Dazu hatten die Großen der Zunft, wie Paul Gründel, oder Conrad Schüssler aus Dresden, ganze Horden von Vertretern in Deutschland, die für die Firmen Aufträge akquirierten. Bei Preisen um die 300 GM pro Wappen war das ein sehr einträgliches Geschäft.

Andere Fälscher wiederum, wie der „Berühmte Herr Zangerer“ haben ganze Landstriche mit gefälschten Wappen versorgt. Es gibt heute noch das „Große Zanger´sche Wappenbuch“ in dem der gute Mann seine Fälschungen, ähnlich wie im Siebmacher registriert hat (über 11.000 Wappen!!!!). Ob alle Wappen, die in der Wappensammlung aufgeführt sind, tatsächlich auch verkauft wurden, das ist heute nicht mehr nachzuprüfen. Tatsache ist jedoch, dass das Zanger´sche Wappenbuch lange für echt gehalten wurde, und u.a. im Stadtarchiv Ulm stand. Dieses Zanger´sche Wappenbuch war auch Grundlage der Fälschungen der Familie Kurz, die noch Ihre eigenen Fälschungen dazupackten und fertig war die „Große Kurz´sche Wappensammlung. Beide Wappensammlungen sind heute wieder im Familienbesitz.
Die meisten dieser Fälschungen lassen sich leicht an der stümperhaften Ausführung der Wappen erkennen, aber das ist nicht immer so. Manche Fälscher beschäftigten Wappen- oder Porzellanmaler, die gute bis sehr gute Künstler waren. Manche Fälscher waren auch selbst ganz passable Künstler oder Heraldiker.

Falsifikate sind nur leicht zu erkennen, wenn Sie fabrikmäßig hergestellt wurden. So benutzten die Fälscher der Gründerzeit oftmals immer die gleichen gedruckten Papierbogen und auch der Wappenbeschrieb und der Aufbau und Stil war immer gleich.

Bei diesen Fälschern ist die Quellenangabe nicht nachvollziehbar, weil gefälscht, das heißt es wird eine erfundene Quellenangabe gemacht, wie: „ Europäische Wappensammlung, Zanger´sches Wappenbuch, Kurz´sche Wappensammlung, Mailänder Wappenbuch usw.!“ Manchmal geben sich die Fälscher auch gegenseitig als Quelle an.

Als Wappenbegründung wurde oft vermeldet: „Das Wappen wurde der Familie verliehen unter ........., wegen ........“ Dabei war es völlig uninteressant, ob es den Kaiser überhaupt gegeben hat – vielleicht war er „nur“ Deutscher König! Auch die Jahreszahlen der angeblichen Verleihung entsprechen oft nicht den Tatsachen, so gibt es Differenzen zwischen den Lebensdaten der angegebenen Kaiser und dem Datum der Verleihung. Oftmals sind die Verleihungen auch so früh angesetzt, dass es noch gar keine Wappenregistrierungen gab. Diese sind überhaupt erst nach 1450 nachweisbar, aber im ganz geringen Umfang. Inflationär wurden die Registrierungen erst um 1600 und diese sind daher auch kaum noch belegbar.
In den alten Originalwappenbriefen war nur allgemein die Rede von Verdiensten um Kaiser und Vaterland, spezielle Verdienste wurden nur in den „modernen“ Adelspatenten - ab 1806 -angegeben.

Bei sehr vielen Falsifikaten ist die Darstellung des Wappens sehr stümperhaft, aber nicht immer.

Es gab aber auch Fälschungen, die man als meisterhaft bezeichnen kann. Dabei handelt es sich aber meist nicht um reine Wappenbriefe, sondern um Adelspatente mit Wappenverleihungen. Hierbei ist die Fälschung aber oft nicht leicht zu erkennen, da Stempel, Siegel usw. sehr kunstvoll gefälscht wurden. Oftmals sind auch noch Registriervermerke der Hofkammer und verschiedene Begleitdokumente mit gefälscht worden.

Nicht alle Fälschungen waren aber Totalfälschungen, wie oben beschrieben, manchmal wurde auch nur ein Phantasiewappen mit einer falschen Genealogie untergeschoben.


Heut im Computerzeitalter sind die Fälschungen nicht weniger geworden, sondern haben sich eher mehr verbreitet. Die Tricks, mit denen der Kunde geködert wird, sind immer noch die gleichen. Geändert haben sich die Technik und die Verdienstspanne. War es früher für den Fälscher noch eine handwerkliche Arbeit, die Wappen zu malen und etwas Gehirnschmalz notwendig das gefälschte Pedigree zusammenzureimen; so drückt der Fälscher von heute nur auf einen Knopf und der Computer erledigt den Rest. Aus Textbausteinen wird schnell etwas Passendes zusammengeschustert und das Wappen ist als Raubkopie aus dem Siebmacher auf dem Computer gespeichert. In Sekunden ist eine passende Familiengeschichte mit originalem Wappen ausgedruckt und dem Kunden verkauft.
Diese (Ver)Fälscher bieten Ihre Produkte meist auf Messen, Volksfesten und neuerdings auch im Internet an. Wobei im Internet meistens nichtdeutsche Firmen, so genannte Bucketshops führend sind, die allerdings auch Deutschland beliefern, oder hier Niederlassungen unterhalten.

Die Wappen werden meist aus dem Siebmacher oder anderen Sammlungen kopiert, und dann mit Textbausteinen garniert, die aus diversen Namenslexikons, Geschichtslexikons abgeschrieben wurden. Manchmal werden auch ganze Seiten von genealogischen Webseiten kopiert und dann alle Daten mit wechselnden Namen dem Kunden präsentiert. Das letztere ist die Mache der Firmen Halberts und Steinadler. Der Anbieter dieses Produkts hat sich aber weitgehend gegen Vorwürfe abgesichert, da er sehr verklausuliert schreibt, dass die Quellenangaben „keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit“ erheben; und das Wappen vermutlich zum ersten Träger des Namens gehört. Also ist keine Rede davon, dass es sich um das Wappen des namensgleichen Käufers handelt.

Weit aus weniger einfach zu identifizieren sind Komplettfälschungen. Die Anbahnung des Geschäfts geht oft von den o.a. Anbietern aus, sobald diese merken, dass ein wirkliches Interesse am Familienwappen besteht. Oftmals wird dann gesagt, dass es sich bei den angebotenen Produkten eigentlich um Massenware handelt, aber man habe geheime und unbekannte Quellen, in denen man mal nachforschen könnte - für eine geringe Gebühr. Natürlich ist die Gebühr sofort fällig und ebenso natürlich klingelt nach ein paar Tagen beim Interessenten das Telefon, mit der frohen Botschaft: „das Wappen ist gefunden“. Nun wird dem Kunden ein Wappen aufgeschwatzt, das man in einem „Geheimarchiv“ gefunden hat. Natürlich passt auch die Geschichte des Wappens, die der clevere Verkäufer vorher aus dem Kunden herausgelockt hat, mit der vermeintlichen Familiengeschichte überein. Natürlich greift der hocherfreute (und zahlungskräftige) Kunde zu und trägt sein uraltes Familienwappen nach Hause.
Dummerweise ist dieses Wappen weder alt, noch stimmt die Geschichte dazu. Der Fälscher hat das Wappen ganz neu gezeichnet, nach Angaben, die er vom Kunden selbst, oder von Verwandten und Freunden desselben erfahren hat. Und oh Wunder, es deckt sich alles mit den Familienlegenden.
Wenn der stolze Wappenbesitzer später einmal selbst Forschungen anstellt, dann wird er merken, dass das Wappen nichts mit seiner Familie zu tun hat. Und das auch die Familiengeschichte dazu erlogen ist. Die Wappenbrief ähnelt immer dem o.a. Muster. Als Quelle ist immer vielsagend angegeben: „Große Wappensammlung aus privatem und öffentlichem Besitz, z.T. nicht veröffentlichte Sammlungen der letzten Jahrhunderte, vom Archiv mikroverfilmt. Sammlung .....!
Als Wappensammlung ist manchmal nur eine Nummer angegeben, oft aber auch ein Fakequelle, wie Archiv Gritzmacher, Heraldisches Archiv, Heraldisches Archiv Hannover. Mit wechselnden Vorzeichen wird das Wappen dann auch dort registriert. Also, gefunden im Archiv Gritzmacher, registriert unter der Nummer XXX im Heraldischen Archiv – so einfach ist das.

Der Preis für diese Machwerke lagen, je nach Finanzkraft des Kunden, zwischen 1.000 und 3.000 Euro.

Neuerdings sind auch einige „Billigheimer“ auf diesem Markt zu finden. Sie bieten über Ebay oder andere Webseiten Ihre Dienste an. Meist wird die Erstellung eines Familienwappens für wenig Geld versprochen, inklusive einer Registrierung bei einer renommierten Wappenrolle.
Das ist natürlich ein Witz, keine Wappenrolle wird diese Wappen offiziell registrieren, es sei denn es ist eine Wappenrolle von eigenen Gnaden, die nur eigene Wappen registriert.
Sie sollten daran denken, dass Sie diese Fakewappen nicht nutzen dürfen, nicht einmal auf Ihrer Homepage. Eine missbräuchliche Nutzung kann ins Geld gehen, wenn Sie verklagt werden.

Niemand ist vor Fälschungen sicher, unsere Altvorderen sind darauf reingefallen, und wir sind ebenso anfällig.

Grundsätzlich kann niemand Ihr Familienwappen oder Ihre Familiengeschichte finden, oder erforschen, wenn er keinerlei Anhaltspunkte über Sie oder Ihre Vorfahren hat. Das einzige was man finden kann, dass sind Daten/Wappen von namensgleichen Familien.

Kein seriöser Heraldiker oder Genealoge wird Sie von sich aus ansprechen und seine Dienste anbieten. Wenn Sie in einem Genealogie- oder Heraldikforum Fragen zu Ihrer Familiengeschichte/Wappen gestellt haben und nur negative Antworten darauf bekamen. Plötzlich aber eine unangeforderte Mail von einem Allwissenden bekommen, der gegen Bares seine Dienste, mit absoluter Erfolgsgarantie anbietet, dann sollten sofort alle Alarmglocken läuten. Sie sollten das dann auch dem Moderator des Forums mitteilen, damit der sofort einen Riegel vorschieben kann. Kein Mensch kann Ihnen eine Erfolgsgarantie bei Forschungen geben!!!! Wenn Sie in Foren nur negative Antworten zu Ihren Fragen bekamen, dann können Sie von deren Richtigkeit ausgehen. In den Foren tummeln sich nicht nur Laien, sondern oft auch Profis, die Ihr Wissen unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Es gibt keine geheimen Quellen oder Archive in Heraldik und Genealogie. Es ist alles mehr oder weniger bekannt, oder sollte es zumindest sein. Der HEROLD in Berlin hat wohl das größte und umfangreichste Archiv in Deutschland und daran ist absolut nichts Geheim. Auch andere heraldische Vereine haben ein Archiv und viele davon haben auch Zugriff auf die gleichen Quellen wie der HEROLD. Wenn geheime Quellen ins Spiel kommen, dann ist es mit großer Sicherheit Betrug. Wenn Sie also irgendwo von „geheimen und unbekannten Mikrofilmarchiven“ und „nur uns bekannten Wappenbüchern“ lesen, dann sollten Sie besser die Finger davon lassen, oder fragen Sie einen unparteiischen Fachmann, wie diesen Verband. Meistens handelt es sich bei den unbekannten Quellen um den alten Siebmacher, der für die Wappenforschung komplett ungeeignet ist, weil er stellenweise schlicht und einfach falsch ist. (Wappen sind falschen Namen zugeordnet, Namen sind falsch geschrieben, es fehlen genealogische Angaben zum Wappen usw.) Es gibt einige 100 Wappensammlungen mit 100.000en Wappen, von denen der Großteil nicht brauchbar ist, weil nur das Wappen registriert wurde und der Familienname. Damit kann kein Mensch etwas anfangen. Die kartierten, das heißt zuordnungsfähigen Wappen liegen bei etwa 120.000 bis 200.000 Stück und das bei Millionen von Wappen, die jemals geführt wurden. Weitere 40.000 bis 60.000 Wappen warten noch auf eine Bearbeitung. Von allen diesen wappenführenden Geschlechtern ist aber ein großer Teil ausgestorben. Die Chancen ein Wappen zu suchen und zu finden sind also denkbar schlecht – wenn auch nicht unmöglich.

Nicht alle heraldischen oder genealogischen Vereine oder Gesellschaften sind gleich. Einige haben ganz andere, nämlich kommerzielle Interessen im Vordergrund. Nicht umsonst hält der HEROLD in Berlin nichts von einer Verquickung von Kommerz und Heraldik und lehnt diese Gesellschaften ab. Was allerdings nicht heißt, dass diese kommerziellen Anbieter alle über einen Kamm zu scheren sind.
Schlecht sind nur die, die dem Kommerz alles opfern, also auch die Seriosität. Bei solchen kann man dann auch schnell ein Falschwappen bekommen, oder es muss aus kommerziellen Gründen ein Wappen gefunden werden – ansonsten gibt es nicht genug Geld.

Ein seriöser Anbieter hat nichts zu verbergen. Er nennt Ross und Reiter, d.h. postalische Anschrift, Telefon, Verantwortliche(n) usw.! Sie sollten sich auch nicht scheuen dort anzurufen. Manchmal ist nur die Telefonnummer eines Büroservice angegeben, dann Hände weg. Das gilt auch wenn der Anbieter tagelang nicht zu erreichen ist.
Hat der Anbieter seinen Sitz in Deutschland? Das ist sehr wichtig, falls Sie Reklamationen haben, im Ausland kommen Sie nur schlecht an Ihr Geld.
Hat der Anbieter einen guten Ruf? Das können Sie in jedem Forum erfragen, es ist nichts Geheim. (Daran denken; keine Antwort ist auch eine Antwort) Ausländer können sich an das zuständige Konsulat wenden. Die meisten seriösen deutschen Vereine sind auch im Ausland bekannt und unterhalten Beziehungen zu ausländischen Vereinen, man kann also auch da anfragen.

Dies ist keine Fälschung:

 

© M. Waas